Studienplätze Medizin

eingereicht von: Andreas Reuter, 65195 Wiesbaden

Veröffentlicht am: 30.09.2013

Welches Ziel hat die Petition?

Ich möchte mich über die hohen Zulassungsbeschränkungen (Numerus Clausus) bzw. die extrem niedrige Anzahl von in Deutschland zur Verfügung stehenden Studienplätzen beim Medizinstudium in aller Form beschweren. Vor allem über die niedrige jährliche Absolventenzahl und das bei dem geringen Schwierigkeitsgrad des Medizinstudiums. Letztendlich schließen 94,9% aller Mediziner ihr Studium erfolgreich ab (Quelle: Statistisches Bundesamt, Hochschulen auf einen Blick 2012, Seite 18) und die Regelstudienzeit kann (fast) eingehalten werden. Bereits ein Abitur mit der Gesamtnote „befriedigend“ reicht für das Medizinstudium vollkommen aus. Zudem sind Mediziner absolut überbezahlt und das ist das Resultat einer schlechten Hochschul- und Gesundheitspolitik. Viele junge Leute können den Beruf des Mediziners (Humanmedizin, Zahnmedizin, Veterinärmedizin) aufgrund der geringen Studienplatzanzahl in Deutschland nicht erlernen. Obwohl es relativ einfach ist, dass Studium erfolgreich abzuschließen. Zudem benötigt Deutschland jedes Jahr viele tausend Absolventen mehr um die medizinische Versorgung aufrecht zu erhalten und damit der demografische Wandel bezahlbarer wird. Ein durchschnittliches Akademikergehalt würde für einen Mediziner vollkommen ausreichen. Trotzdem würden sich jedes Jahr zehntausende für diesen Studiengang entscheiden.

Was möchten Sie mit Ihrer Bitte/Beschwerde erreichen?

Eine rapide Erhöhung von Studienplätzen beim Medizinstudium (tausende Absolventen mehr pro Jahr bei Humanmedizin wären optimal). Einführung des Medizinstudiengangs an weiteren deutschen Hochschulen. Verbesserung von Forschung und Lehre im Fachgebiet Medizin. Die hohen Ausbildungskosten eines Mediziners könnten durch Optimierungen und zahlreiche Kosten senkende Maßnahmen erheblich reduziert werden. Worunter keinesfalls die Ausbildungsqualität leidet. Das sollte mit der EU abgestimmt werden, damit die Studienplatzanzahl kontinuierlich in allen Ländern erhöht wird und damit eine Abwanderung der Mediziner verhindert wird und deren Gehälter erheblich gesenkt werden können. Ein durchschnittliches Akademikergehalt reicht für Mediziner vollkommen aus und die Kosten im Gesundheitswesen werden dadurch stark reduziert. Die Überalterung unserer Gesellschaft würde bezahlbarer werden und die Berufswahl junger Leute weniger eingeschränkt. Zudem würden Mediziner endlich in Kliniken und natürlich auch als niedergelassene Ärzte erheblich weniger arbeiten müssen. Eine vierzig Stundenwoche reicht für Mediziner vollkommen aus. Die hohe Anzahl von Diagnose-, Behandlungs-, Arztfehler würden sich dadurch erheblich reduzieren. Letztendlich zahlt der Steuerzahler die Ausbildung der Ärzte und diese hohen Kosten rechtfertigen kein hohes Gehalt. Das Vertrauen der Patienten in die Ärzte würde wieder gestärkt werden. Denn ein gut ausgebildeter Arzt (Studium ohne Ankreuzklausur), der noch dazu nicht überarbeitet ist und ethisch und moralisch zu seinem Beruf passt, wird hervorragende Arbeit leisten. Sicherlich müssen sich Ärzte kontinuierlich weiterbilden, aber das müssen andere Akademiker auch und Ärzte nehmen an den Weiterbildungen einfach teil, sie müssen keine Prüfung mehr bestehen (Quelle: Bildung in Deutschland 2012, Seite 148 ff.).
Zudem bildet unser Nachbarland Polen sehr viele Mediziner aus, die anschließend nach Deutschland auswandern. Damit verstärkt Deutschland den Ärztemangel in unserem Nachbarland Polen und das sehen wir als große Schande an.

Welche Behörde hat diese Entscheidung getroffen?

-Bundesregierung, Landesregierungen der 16 Bundesländer;
-Bundesärztekammer, Landesärztekammern;
-Hochschulen die das Medizinstudium anbieten;
-Kassenärztliche Bundesvereinigung;

Wie wird die Petition begründet?

Der künstliche von den Ländern und dem Bund herbeigeführte Ärztemangel führt nicht nur zu einer schlechteren medizinischen Versorgung der Bevölkerung, sondern auch zu einem enormen Anstieg der Personalkosten im Gesundheitswesen. Wer sagt denn, dass ein Mediziner mehr Geld verdienen muss als ein Pädagoge oder ein BWLer? Ärzte sind schlichtweg völlig überbezahlt und Medizin wird nicht mehr von Menschen studiert, die anderen Menschen helfen wollen. Sondern von Menschen, die einfach möglichst viel Geld verdienen wollen. Der eigentliche Sinn und Zweck dieses Berufes steht nicht im Vordergrund. Es geht nur noch um Geld. Aber wie das eben in der sozialen Marktwirtschaft ist. Wird das Einkommen einer Berufsgruppe durch Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt bestimmt. Dies ist bei keiner anderen Berufsgruppe so schwerwiegend wie bei Ärzten. Denn deren Einkommen ist einfach nicht zu übertreffen. Der Staat sorgt dafür, dass einfach keine weiteren Studienplätze geschaffen werden und das verstößt sogar gegen das Grundgesetzt (laut Gerichtsbeschluss). Werden beispielsweise Wirtschafts- oder Maschinenbauingenieure benötigt. Dann wird dieser Studiengang sofort an unzähligen Hochschulen eingeführt und der Arbeitsmarkt mit Absolventen überschwemmt. Die Gehälter fallen dann ins Bodenlose. Auch sinnlose Studiengänge wie Germanistik oder Philosophie werden weiter fleißig angeboten. Aber der Studiengang Medizin wird nicht an unzähligen Hochschulen in Deutschland eingeführt. Dies sollte auch in Absprache mit anderen Europäischen Staaten geschehen (G20-Staaten). Damit alle mehr als genug Mediziner ausbilden und diese ein normales Berufsleben führen können, mit einem ganz durchschnittlichem Einkommen für Akademiker. Überarbeitete Ärzte in Kliniken und Arztpraxen könnten längst der Vergangenheit angehören. Eine 40 Stundenwoche ist auch für einen Mediziner mehr als genug, gerade bei seiner verantwortungsvollen Tätigkeit. Zudem könnte durch erheblich mehr Ärzte den steigenden Kosten im Gesundheitswesen entgegengewirkt werden. Damit werden auch die Auswirkungen des demografischen Wandels bezahlbar. Es würden sich trotz eines niedrigen Einkommens jedes Jahr tausende mehr Menschen finden, die ein Medizinstudium beginnen und erfolgreich abschließen würden. Das sind Leute, die anderen Menschen wirklich helfen wollen und nicht nur extrem viel Geld verdienen wollen. Schließlich finden sich auch jedes Jahr zig tausende für Studiengänge wie Soziale Arbeit, Germanistik, Philosophie etc. Was viele nicht ahnen, ein Abitur mit der Gesamtnote „befriedigend“ reicht für das Medizinstudium vollkommen aus. Die hohen Ausbildungskosten trägt schließlich der Steuerzahler und nicht der Mediziner. D.h. die Ausbildungskosten müssen keinesfalls in Relation zum späteren Einkommen der Ärzte stehen. Als würden sie selbst die Kosten übernehmen. Ganz im Gegenteil, sie erhalten viele Vergünstigungen und bereits bei der freiwilligen Weiterbildung zum Facharzt ein sehr hohes Gehalt. Davon können alle anderen Berufsgruppen nur träumen und es ist eine enorme Ungerechtigkeit in unserer Gesellschaft. Die Ärzte haben es im Laufe vieler Jahrzehnte geschafft, sich eine Sonderrolle in unserer Gesellschaft zu sichern und das kommt dem Steuerzahler sehr teuer zu stehen! Erschreckend ist zudem, dass die Noten der Ärzte mittlerweile irrelevant sind. Wer bestanden hat, bekommt sofort einen sehr gut bezahlten Job. Der Patient weiß nicht einmal, ob er es mit einem guten oder schlechten Mediziner zu tun hat und das ist für den Patienten sehr gefährlich. Die vier als Abschlussnote ist für Arbeitgeber vollkommen okay. Das soll sich mal ein Dipl. Ingenieur, ein Dipl. Betriebswirt etc. erlauben. Dann würde ein solcher Absolvent von der Bundesagentur für Arbeit als Hilfsarbeiter vermittelt werden.
Ärztemangel beschreibt eine Situation im Gesundheitssystem, in der die Nachfrage nach ärztlichen Leistungen ein knappes Angebot übersteigt. Die gegenteilige Situation, in der mehr ärztliche
Arbeitskraft auf dem Arbeitsmarkt angeboten als nachgefragt wird, bezeichnet man als Ärzteschwemme. Genau das ist es, was Deutschland braucht! Denn Ärzte können sich auch perfekt in der Verwaltung und Wirtschaft etablieren. Ihr medizinisches Wissen fehlt also auch in vielen Unternehmen und Behörden. Die Folge ist eine Schwächung der Konkurrenzfähigkeit der deutschen Wirtschaft und eine Erhöhung gesundheitlicher Risiken für die Bevölkerung. Letztens habe ich gelesen: „Medizinermangel in Ämtern gefährdet Infektionsabwehr“.
Abschließend ist noch zu sagen, dass sich Deutschland viele gut bezahlte sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze durch die Lappen gehen lässt. Deutschland kann durch den Medizinermangel sein eigentliches Potenzial nicht entfalten und die Mediziner zocken das Deutsche Volk einfach ab. Wir zahlen die Studienkosten (über 200000 € pro Absolvent), dann die Kosten für die Doktorarbeit (schmale Diplomarbeit/geringer oder kein wissenschaftlicher Wert, die Kosten werden auf durchschnittlich 10000 € geschätzt), die freiwillige Facharztausbildung (völlig überbezahlt) in den Krankenhäusern und anschließend sehr viel Geld für die medizinische Dienstleistung der Ärzte. Der Bürger zahlt und zahlt für die Mediziner, deren Studium problemlos bestehbar ist und keine ernsthaften Hürden enthält!

Abschlussbericht

Die Petition wurde am 30. September 2013 auf der Petitionsplattform veröffentlicht und konnte bis zum 4. November 2013 mitgezeichnet werden. Dabei ist die Petition von 12 Bürgerinnen und Bürgern unterstützt worden.

Nach § 16 Abs. 1 Thüringer Petitionsgesetz wird eine öffentliche Anhörung durchgeführt, wenn eine Petition von mindestens 1.500 Mitzeichnern unterstützt wurde. Deshalb findet keine öffentliche Anhörung zu der Petition statt.

Der Petitionsausschuss forderte die Thüringer Landesregierung auf, zu der Petition Stellung zu nehmen. Das Ministerium für Bildung, Wissenschaft hat in seiner Stellungnahme insbesondere Ausführungen hinsichtlich der Anzahl von Studienplätzen, der Zulassungsbeschränkungen sowie der Studien- und Prüfungsqualität gemacht.

Der Petitionsausschuss hat die Petition in seiner 50.Sitzuung am 12. Dezember 2013 abschließend behandelt. Der Ausschuss ist im Ergebnis der Erörterung des Anliegens davon ausgegangen, dass mit dem zentralen Vergabeverfahren der Stiftung für Hochschulzulassung ungeachtet der Zulassungsbeschränkungen letztlich für alle Bewerber eine Zulassungschance besteht. Der Ausschuss war auch der Auffassung, dass die Anzahl der Medizin-Studienplätze insbesondere unter Berücksichtigung des Lehrangebots, des Ausbildungsaufwands und der Anzahl von für die Lehre geeigneten Patienten ausreichend ist.
Bezüglich der konkreten Situation hat der Petitionsausschuss festgestellt, dass in Thüringen bisher ein genereller Ärztemangel vermieden werden konnte. Allerdings gibt es einen lokalen Versorgungsbedarf, der jedoch nur bestimmte Facharztgruppen und Regionen betrifft. Deshalb wurden Anreize geschaffen, um insbesondere die Ansiedlung von Ärzten in strukturschwachen Regionen zu fördern.

Mit den Auskünften des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur hat der Petitionsausschuss die Petition gemäß § 17 Nr. 2 b) Thüringer Petitionsgesetz abgeschlossen.